Publiziert am: 10.01.2014

Neuer Beruf und neues Label

VSLF – Der Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie hat sich zu einem innovativen Branchenfachverband entwickelt. Er packt Herausforderungen unternehmerisch an.

Die Lack- und Farbenindustrie gilt heute als exemplarische Branche für den industriellen Mittelstand. Noch vor sechs Jahren stand der 1907 gegründete VSLF an einem Scheideweg der Verbandsentwicklung. Direktor Matthias Baumberger ist es seither gelungen, die Mitgliederzahl auf rund 90 Mitglieder zu erhöhen und dabei auch kühl kalkulierende internationale Konzerne mit Schweizer Präsenz als Mitglieder zu gewinnen. Dies, obwohl das Marktumfeld für die Branchen nicht günstig war und etliche Firmen aufgegeben haben.

Heute vertritt der Verband 65 produzierende und 25 assoziierte Mitglieder, die einen Umsatz von gegen zwei Milliarden Franken jährlich erzielen und ca. 3000 Mitarbeitende beschäftigen. «Unsere Mitglieder sind mehrheitlich mittelständische Firmen, 
also klassische Industriefirmen, die ihrerseits wieder oft andere Gewerbeunternehmungen beliefern. Viele sind auch exportorientiert», erklärt Baumberger und ergänzt: «Die Firmen haben mit den üblichen Vorurteilen und klassischen Problemen der KMU im Industriesektor zu kämpfen.»

«Unsere Mitglieder kämpfen mit den klassischen Problemen der KMU im Industriesektor.»

Die steigende Regulierungswut bereitet der Industrie grosse Sorgen. Im Bereich Lacke und Farbe wurde in den vergangenen Jahren viel Neues impliziert. Administrativ sind aber viele kleinere Unternehmen an ihre Grenzen gestossen. Auf Initiative des engagierten Direktors hat die Branche angefangen, ihre Probleme möglichst selbstständig und unternehmerisch zu lösen. So verfügt der VSLF beispielsweise über eine ausführliche Branchenstatistik, die man bei vielen anderen Vereinigungen vergeblich sucht. «Die Zahlen liefern wir dem Bundesamt für Statistik», erklärt Baumberger. Öffentliche Dienste erbringt der Verband auch mit der Beobachtung internationaler Regulierungen mit entsprechender Warnmeldung, wenn brisante Gesetze und Reglemente erlassen werden.

Gross ist das Engagement des 35jährigen Ökonomen in der Wirtschaftspolitik, hat der doch für den VSLF das Buch «Manifest für den industriellen Mittelstand» herausgegeben. Darin schildert er seine ordnungs­politische Sicht 2012 bezogen auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ebenso hat Baumberger darin sieben Forderungen an Politik und Behörden formuliert, um die Erfolgsgeschichte des industriellen Mittelstandes fortzuschreiben, ihre Bestrebungen tatkräftig zu unterstützen und deren existenzielle Bedrohung abzuwenden.

Aktiv in der Ausbildung

Priorität in der Verbandsarbeit hat die Ausbildung. Der Beruf Laborant EFZ Fachrichtung Farbe und Lack wurde vor fünf Jahren geschaffen. «Die Lack-Laborant-Lehre wurde von der Fachrichtung des Chemielaboranten losgelöst und zu einer eigenständigen Ausbildung entwickelt, deren Betreuung der VSLF übernahm. Dazu zählt etwa, die Unternehmen bei der Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildungsregeln mit einzubeziehen», erklärt Baumberger. Jährlich absolvieren rund 15 junge Berufsleute, vorwiegend Frauen, die dreijährige Lack-Laborant-Lehre. Allerdings kämpft die Branche auch mit dem Fachkräftemangel. Dazu Baumberger: «Wir brauchen langfristig mehr lokale Leute im Labor. Die Problematik bei den technischen Laborberufen ist allerdings, dass viele Schulabsolventen zu wenig Affinitäten für naturwissenschaftliche Fächer haben.»

«Wir brauchen langfristig mehr lokale Leute im Labor.»

Die Förderung des dualen Bildungssystems ist ein grosses Anliegen. So setzt er sich ein für einen direkten Zugang zur Fachhochschule in Deutschland, um so den jungen Berufsleuten in der Lack- und Farbenindustrie eine Ausbildung auf Fachhochschulniveau zu ermöglichen. Bereits haben erste Absolventen an der Hochschule in Esslingen ihr Studium begonnen.

Vergünstigungen der in der Branche organsierten überbetrieblichen Kurse, die einen wichtigen Teil jeder Lehrlingsausbildung ausmachen und hohe Kosten verursachen, sind für die Verbandsmitglieder direkt spürbar. Um die Anreize zum Ausbilden zu erhöhen, erhebt der Verband eine Abgabe, die an Unternehmungen geht, welche Lehrstellen anbieten. Der Verband, der die jungen Leute auf Facebook «abholt», plant, nächstes Jahr mit einem speziellen Projekt Anreize für die Berufsaussichten in der Lack- und Farbenindustrie zu schaffen.Corinne Remund

nachHALTIGKEIT

Die Schweizer 
Umweltetikette

Das Thema Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Bereich im VSLF. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt hat die Branche vor rund eineinhalb Jahren freiwillig ein Umweltprojekt gestartet. Die Bau­malerfarbenhersteller haben damit begonnen, ihre Farben nach Kriterien der Umweltfreundlichkeit und Gebrauchstauglichkeit einzustufen. «So wird dem Verbraucher aufgezeigt, wie umweltfreundlich die von ihm eingesetzte Farbe anzuwenden ist. 
Es bestehen nun Überlegungen, das Projekt auf weitere Sektoren auszudehnen», erklärt Direktor Matthias Baumberger.