Publiziert am: Freitag, 10. Januar 2014

«Starker Bezug zur betrieblichen Praxis!»

HANS PETER BAUMGARTNER – Für den Vorsitzenden der Geschäftsleitung des Schweizerischen Institutes für Unternehmerschulung SIU kann nur eine permanente Weiterbildung gewährleisten, dass die Fachkenntnisse auf dem aktuellen Stand sind.

Gewerbezeitung: Das Schweizerische Institut für Unternehmerschulung SIU bietet ein umfassendes Programm von Berufs- und Kaderausbildungen für alle Funktions- und Führungsstufen. Wie gefragt ist Ihr Angebot?

Hans Peter Baumgartner: Die Lehrgänge und Kurse des SIU richten sich schwergewichtig auf die Management- und Führungsausbildung von Kaderleuten aus Gewerbe und Handel aus. Beide Wirtschaftssektoren müssen sich vermehrt anspruchsvollen Herausforderungen stellen. Deshalb sind unsere Angebote sehr beliebt. So bieten wir Kurse und Lehrgänge an verschiedenen Standorten in der ganzen Schweiz an – oft sogar mehrmals pro Jahr.

Ihre Kurse sind spezifisch auf die Schweizer KMU zugeschnitten. Wie unterscheiden sich da die Bedürfnisse und Anforderungen zur allgemeinen Weiterbildung?

KMU bilden das Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft und generieren rund 60 Prozent des Brutto­inlandproduktes. Naturgemäss werden Führungsaufgaben in KMU nicht durch viele Spezialisten, sondern durch wenige Führungskräfte wahrgenommen. Diese müssen sich hingegen in allen Disziplinen der Unternehmensführung bewähren. Deshalb sind unsere Lehrgänge geprägt von breitem betriebswirtschaftlichem Wissen, verbunden mit einem starken Bezug zur betrieblichen Praxis. Ausserdem richten wir unseren Fokus auf die Vernetzung der einzelnen Fähigkeiten, was insbesondere für KMU-Kaderleute unabdingbar ist.

«Der Anteil der Weiterbildungswilligen in der Schweiz ist hoch!»

Welchen Stellenwert hat die Weiterbildung in der Schweizer Berufswelt; welche Beobachtungen machen Sie?

Die Schweiz zeichnet sich durch ein hohes Niveau der Berufsbildung aus. Eine solide Grundausbildung legt den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit. Darüber hinaus entscheiden sich immer mehr Berufsleute für eine Weiterbildung, die ihnen hilft, erweiterte Aufgaben oder sogar Führungsfunktionen zu übernehmen. Der Anteil der weiterbildungswilligen Berufsleute ist hoch, und diese Menschen investieren einiges an Geld und Zeit für den Ausbau ihrer beruflichen Kompetenzen.

Sind die Anforderungen in Gewerbe und Detailhandel in den letzten Jahren gestiegen und wirkt sich das auch auf Ihr Weiterbildungsangebot aus?

Wir begleiten Berufs- und Kaderleute aus Gewerbe und Handel von der Grundbildung bis zu eidgenössischen Diplomausbildungen. Wir tragen mit unserem Angebot den hohen Herausforderungen Rechnung, indem wir unsere Lehrgänge konsequent auf praxistaugliche und vernetzte Fähigkeiten ausrichten. Wichtige Eckpfeiler unseres Erfolges sind daher regelmässige Leistungsbeurteilungen, hervorragende branchen­erprobte Referentinnen und Referenten sowie Lehrmittel, die eigens für unsere Lehrgänge konzipiert wurden. Unser Motto ist, in vernünftiger Zeit mit vertretbaren Mitteln einen maximalen Kompetenzzuwachs zu bewirken.

«Die Hälfte der Kursteilnehmenden sind Frauen!»

Welches ist Ihr wichtigstes Angebot für Weiterbildungswillige aus dem Gewerbe?

Der Lehrgang «Fachleute Unternehmensführung KMU» mit eidg. Fachausweis vermittelt alle notwendigen Kompetenzen, um ein Kleinunternehmen alleinverantwortlich erfolgreich zu leiten oder in einem Mittelbetrieb Teilbereiche zu führen. Sämtliche relevanten Kompetenzen in Unternehmensführung, Strategie, Personalführung und -entwicklung, Marketing, Finanzführung und Rechnungswesen, Organisation und Recht werden in diesem zweisemes­trigen Lehrgang behandelt und vernetzt. Der eidg. Fachausweis bestätigt die erworbenen Kompetenzen und wird von vielen Berufsverbänden als obligatorischer Teil der Meisterprüfung gefordert.

Sie bieten auch einen Modullehrgang Dipl. KMU Geschäftsfrau SIU an. Dieser Kurs vermittelt betriebswirtschaftliche Basiskenntnisse mit einem grossen Praxisnutzen für Frauen aus KMU. Stösst dieser Kurs auf ein Bedürfnis; welche Bilanz können Sie da ziehen?

Mitarbeitende Partnerinnen stellen im KMU in vielen Fällen einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar. Diese Frauen übernehmen oft die Aufgaben im Hintergrund wie Personal­administration, Finanzführung, ­Marketing usw., welche genauso wie die Frontaufgaben für das Gedeihen ­eines KMU unabdingbar sind. Unser Lehrgang «KMU Geschäftsfrau» bildet alle dafür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten aus, erlaubt den Kontakt zu Gleichgesinnten und bietet überdies einen nahtlosen Anschluss an den Lehrgang «Fachleute Unternehmensführung KMU» mit dem entsprechenden eidg. Fachausweis.

Wie gross ist der Anteil der Frauen, die sich im SIU weiterbilden?

Von allen Teilnehmenden, die 2013 einen Kurs oder Lehrgang beim SIU absolviert haben, sind genau 50,1 Prozent Frauen.

Wem empfiehlt sich, eine Weiterbildung zu machen?

Im Prinzip jedem Mann und jeder Frau. Nur eine permanente Weiterbildung stellt sicher, dass die Fähigkeiten und Kenntnisse auf dem aktuellen Stand sind. Ausserdem befähigen sich die Teilnehmenden, erweiterte Aufgaben in ihrem Betrieb zu übernehmen. Wichtig ist, dass jede Weiterbildung mit einem klaren Ziel vor Augen in Angriff genommen wird und man sich bewusst ist, dass eine seriöse Weiterbildung immer ein Mass an Blut, Schweiss und Tränen abverlangt. Der erfolgreiche Abschluss, das ersehnte Diplom und die zusätzliche Befriedigung entschädigen aber für ein Vielfaches des Aufwandes.

Interview: Corinne Remund

HINWEIS

SIU an der ­Winterkonferenz

Hans Peter Baumgartner wird auch an der 65. Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters vom 15. bis 17. Januar unter dem Aspekt «Standortvorteil Bildung» zum Thema «Wie viel Betriebswirtschaft gehört in eine moderne Meisterprüfung» referieren. Info: www.sgv-usam.ch∕klosters

2.PILOTPROJEKT

KMU-Frauen für europäisches ­Projekt gesucht

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv lanciert zusammen mit dem Netzwerk KMU Frauen Schweiz im Rahmen des Programms Leonardo da Vinci der Europäischen Kommission ein Pilotprojekt auf europäischer Ebene. «Unsere Innovationen, die wir mit dem Schweizerischen Pilotprojekt Fachausweis Unternehmensführung KMU gemacht haben, wollen wir jetzt mit den anderen Ländern – Frankreich, Slowenien und Holland – austauschen», erklärt Christine Davatz, sgv-Vizedirektorin und Präsidentin der KMU Frauen Schweiz. Das Projekt dauert zwei Jahre. Dafür werden wieder interessierte KMU-Frauen gesucht. Konkret richtet sich das Projekt an Frauen, die aufgrund ihrer Erfahrungen, Ausbildungen und sonstigen Kenntnissen ein Familien-KMU selbst leiten oder in der Leitung mitwirken. Zudem sollten sie in der Lage sein, ihre tatsächlichen Kompetenzen für sämtliche Tätigkeitsbereiche in einem Dossier zusammenzustellen und wenn möglich über acht Jahre Erfahrung an der Spitze eines Familien-KMU verfügen. Schliesslich wäre es von Vorteil, wenn sie auch schon Mitarbeitende geführt haben.

Anmeldung:

Bis zum 31. Januar 2014 können sich interessierte KMU-Frauen zum Gleichwertigkeitsverfahren mit den erforder­lichen Unterlagen unter www.kmufrauenschweiz.ch anmelden. Für Fragen steht die Projektleiterin, Diane Reinhard gerne zur Verfügung. Email: diane.reinhard@potentialyse.ch oder Tel. 079 321 09 64.