Publiziert am: 07.02.2014

Alles andere als einfach nur still

SÜDKOREA – Architekten oder Schuhproduzenten: Wie Schweizer Unternehmer im «Land der Morgenstille» aktiv sind.

«Wenn man in Seoul zuschaut, wie diese Hauptstadt morgens aufwacht, kann man es kaum glauben, dass Korea auch als das Land der Morgenstille bezeichnet wird», stellt Karl Müller fest. Er muss es wissen: Als Unternehmer lebte er insgesamt 
20 Jahre in Korea, wo er unter anderem einige 
Millionen Paar MBT-Schuhe produzierte und in die ganze Welt exportierte. Südkorea ist hierzulande relativ unbekannt, aber ein ökonomischer Gigant.

Mit 50 Millionen Einwohnern, einer Arbeitslosenquote von circa 3 Prozent und dem 15.-grössten Bruttoinlandprodukt (BIP) auf der Welt ist es eines der wenigen Länder, die es geschafft haben, seine Bevölkerung aus der Armut zu heben. Einst eine Werkbank der Welt, zählt Korea heute zu den entwickelten und wohlhabenden Wirtschaften. Trotzdem bleibt das Land mit einer jährlichen Vergrösserung des BIP von durchschnittlich 
3 Prozent auf Wachstumspfad.

Strukturen nicht unähnlich

Und die Struktur dieser Wirtschaft ist nicht ganz anders als die schweizerische: Im Land von Samsung und Kia machen die KMU über 99 Prozent der Unternehmen aus, sorgen für 
88 Prozent der Arbeitsplätze und für 50 Prozent der Wertschöpfung.

Chancen für die Schweiz

Korea setzt auch auf Berufsbildung. Aber es schafft es noch nicht, zu einer allgemein-innovativen Wirtschaft zu werden. Nach den deutlichen Einbrüchen im für das Land kritischen Export (insbesondere Stahl, Schiffe und Fahrzeuge) und auch im inländischen Konsum (starke Belastung durch hohe Schulden und Erziehungsausgaben), sind auch die Bauinvestitionen zurückgegangen.

Die neue Regierung von Präsidentin Park Geun-hye hat im Zeichen eines Aufbruchs zu einer «creative economy» und «economic democratiza­tion» die Stärkung der KMU als eine der grossen Prioritäten definiert.

«Genau hier tun sich Chancen für die Schweiz auf», schätzt Karl Müller. Der heutige Produzent von «kyBoot, der Schweizer Luftkissenschuh» ist nicht allein: Schweizer KMU exportieren erfolgreich nach Seoul.

Auch innovative Dienstleister wie lamoth raoseta soh architekten gmbh aus Wilen SZ sind in einem Land, das Design und Qualität verbindet, erfolgreich. «Plötzlich merkten wir, dass die exzellenten Beziehungen unseres aus Südkorea stammenden Geschäftspartners Hyungsup Soh unserer nachhaltigen Schweizer Architektur in Südkorea wichtige Türen öffnen», fasst es Architekt und Informatiker Thomas Raoseta zusammen.

Ob Schuhe oder Häuser also: Gerade auch dank Schweizer Innovation ist der Morgen in Seoul alles andere als still. Sc