Publiziert am: 07.03.2014

Grosse Chance oder grosses Risiko?

Soziale Medien – Zahlreiche Unternehmen nutzen Soziale Medien für Werbe- oder Marketingzwecke. Diese Plattform ist bei KMU jedoch noch nicht so verbreitet. Dies vor allem, da die Bewirtschaftung der Seiten grosse zeitliche Ressourcen beansprucht.

Soziale Medien entwickeln sich immer mehr zu einem Trend in der heutigen Gesellschaft. Bei einer Einwohnerzahl von rund 8,1 Millionen nutzen zirka die Hälfte Facebook. Nur wenige KMU lassen sich bis jetzt von diesem Boom mitreissen. Dies vor allem deshalb, weil die Betreuung von sozialen Netzwerken und Austauschplattformen nicht nur zeitintensiv ist, sondern auch viele taktische Überlegungen dahinterstecken.

«Soziale Medien eignen sich lange nicht für alle Firmen.»

Was sind eigentlich Soziale Medien? Laut Duden bezeichnen digitale Medien die «Gesamtheit der digitalen Technologien und Medien wie Weblogs, Wikis, soziale Netzwerke und ähnliche Plattformen, über die Nutzerinnen und Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen können.» Mit Sozialen Medien assoziiert man in erster Linie Facebook. Natürlich stehen auch diverse andere Plattformen zur Verfügung: Xing, LinkedIn, Twitter, Instagram, Youtube, diverse Blogs und Google+. Facebook ist in der Schweiz aber am stärksten vertreten und Twitter vor allem hinsichtlich der Backlinks auf verschiedenste Suchmaschinen hilfreich. Xing und LinkedIn werden vor allem von international tätigen Firmen genutzt.

Nicht für jede Firma geeignet

Weshalb bis heute nur wenige KMU auf einer Sozialen Medien-Plattform vertreten sind, weiss Phi­lipp Sauber, Inhaber und CEO der INM AG in Wetzikon sowie Mitglied im Arbeitgeberverband Zürcher Oberland und rechtes Seeufer: «Die ­Effizienz spielt eine grosse Rolle. Soziale Medien eignen sich lange nicht für alle Firmen. Dazu kommt, dass das ­Betreiben der Seiten und Blogs ­einen relativ grossen Aufwand mit sich bringt und der Return sehr langfristig ist.» Soziale Medien würden einerseits zwar eine grosse Chance für KMU bieten – zum Beispiel Vertrauen schaffen – würden aber auch ein Risiko mit sich bringen. Seiner Meinung nach bilden soziale Netzwerke und Plattformen eine interaktive Ergänzung zum Marketing-Mix.

«Als Kommunikationskanal gewinnen die sozialen Medienplattformen immer mehr an Bedeutung», ist Sauber sich sicher. Es sei deshalb unglaublich wichtig, dass Soziale Medien-Plattformen professionell betrieben und überwacht würden. Klare Regelungen bezüglich Verantwortung, Aufgaben und Kompetenzen seien deshalb unabdingbar.

Erhöhte Sichtbarkeit

Gemäss Professorin Martina Dalla Vecchia, Dozentin für Internet-Strategie, Business Networking und Online-Marketing an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Basel liegt der Mehrwert von So­ziale Medien für KMU primär in der erhöhten Sichtbarkeit der Firma, der Produkte und der Dienstleistungen. Dies schreibt sie in einem Artikel in der «Aargauer Wirtschaft». «Kunden und Interessenten tauschen sich auf den Social-Media-Plattformen aus, diskutieren und empfehlen Produkte. Für Unternehmen ist es zentral, von diesen Gesprächen zu erfahren, hieraus zu lernen und gegebenenfalls diese Beiträge weiterzuverbreiten.» Dies funktioniert gemäss Dalla Vecchia häufig auch über den «Like-Button», welcher der Benutzer anklicken kann, wenn er ein Newsfeed als informativ und hilfreich betrachtet.

Werbebotschaften verbreiten sich bei durchschnittlich 150 Freunden so innert kürzester Zeit und schlagen teils hohe Wellen. «Eine Information gelangt so sehr schnell an zahlreiche Adressaten in der gewünschten Zielgruppe», so Dalla Vecchia. Auf allen Plattformen gelte es, gewinnende Profile mit emotional ansprechenden Bildern und Videos zu veröffentlichen. So könne der gewünschte Auftritt jedes KMU unterstrichen werden. «Vor allem Videos haben auf die Rezipienten eine starke Wirkung», präzisiert Sauber.

«Kunden tauschen sich auf den Sozialen Medien-Plattformen aus.»

Konzept und Themensetting

Wenn sich ein KMU dazu entschliesst, seinen Medienauftritt zu verbessern, sollte es gemäss Philipp Sauber folgende Regeln beachten: «Zuerst sollte ein Konzept erstellt werden, in welchem genau bestimmt wird, welche Plattformen benutzt und wie sie angelegt werden sollen. Weiter diskutiert werden sollte zudem über das Themensetting, also wer wann über was berichtet.» Anschliessend sei eine regelmässige Überprüfung, ein sogenanntes Reporting, nötig. Den einzigen Grund, gegenüber sozialen Netzwerken vorsichtig zu bleiben, sieht Sauber in der regelmässigen Durchführung der Online-Auftritte: «Man muss die Ausdauer haben, regelmässig und seriös zu posten und die Inhalte zu aktualisieren. Die meisten Unternehmen scheitern daran, dass sie den Aufwand unterschätzen und sich deshalb wieder von den Sozialen Medien distanzieren.» Deshalb: Recherche, Posting und Monitoring. Drei Stichworte, die man sich im Zusammenhang mit Sozialen Medien merken sollte. Also nicht nur das regelmässige Posten und Recherchieren bilden wichtige Punkte, sondern eben auch das Überprüfen der Aktivitäten und deren Wirkung.

Stéphanie Jenzer

Der sgv in den
sozialen Medien

IN EIGENER SACHE

Auch der Schweizerische Gewerbeverband sgv ist auf sozialen Netzwerken vertreten. Auf unserem Facebook- und Twitteraccount berichten wir regelmässig über aktuelle politische und wirtschaftliche Themen und lancieren Abstimmungskämpfe. Beispiele dafür sind das Referendum gegen das Raumplanungsgesetz, die Bekämpfung der 1:12-Initiative oder aktuell der Mindestlohn-Initiative.