Publiziert am: Freitag, 24. Januar 2014

Das Buch alt und neu zelebrieren

BUCHBINDEREI HOLLENSTEIN - Der Familienbetrieb pflegt eine Nische in der grafischen Branche und verbindet gutes altes Handwerk mit rationeller Arbeitsweise. Zu ihren treusten Kunden gehören die Universität Bern und die Schweizer Nationalbibliothek.

Bücher, die bereits existieren, Bücher, die wieder ihre ursprüngliche Form zurückerhalten, und Bücher, die gerade entstehen - all dies ist unter einem Dach in der Buchbinderei Hollenstein im bernischen Grafenried zu finden. Fest verwurzeltes Handwerk, verbunden mit viel Liebe zum Buch, prägt die Unternehmensphilosophie. Inhaber Linus Hollenstein sowie sein Sohn Jonas sind beide mit Leib und Seele eidg. dipl. Buchbindermeister: «Wir sind stolz auf unsere Arbeit und freuen uns täglich an den interessanten Herausforderungen.» Unter dem Motto «Klein, aber fein» wird Buchbinde­arbeit von höchster Qualität geboten: «Qualität und Service müssen stimmen. Dazu gehört auch, dass Bücher, wenn es pressiert, innert Tagen gebunden werden», so Linus Hollenstein.

Der Vater einer Grossfamilie betreibt seit 1982 seine eigene Buchbinderei, die nach einigen Jahren in Zollikofen seit 1996 in Grafenried eingerichtet ist. Inzwischen ist die Nachfolge bereits eingeleitet. «Unsere Firma ist eine AG, mein ältester Sohn Jonas übernimmt bereits die Hälfte der Aktien», betont Linus Hollenstein. Vater und Sohn tickten gleich und es sei für beide eine Bereicherung, gemeinsam unter einem Dach zu arbeiten. Die Freude am Beruf hat in der ganzen Familie abgefärbt. Noch vier weitere Kinder haben einen Beruf in der grafischen Branche ergriffen.

«Wir müssen oft schönste Liebhaberbände im alten Stil herstellen.»

Tradition und Innovation

In der Buchbinderein Hollenstein wird das Buch in alter und neuer Form zelebriert. Mit alten und modernsten Hilfsmaschinen gelingt dem Familienbetrieb der Spannungsbogen zwischen Tradition und Innovation. Zum Erfolgsrezept gehört dabei auch, dass der überwiegende handwerkliche Arbeitsprozess rationeller gestaltet ist. Das KMU hat sich beispielsweise mit einer teuren computergestützten Prägepresse den technischen Entwicklungen angepasst. Mit ihr wird der Rückentitel direkt ab Typenrand auf den Buchrücken in Farbe oder Gold geprägt. Für den Innovationsgeist des kleinen Unternehmens spricht auch die Erfindung des «Scanbook». «Dabei haben wir die handwerkliche Fächerklebebindung weiterentwickelt, so dass sich der Buchblockrücken ohne Schädigung der Klebebindung flach öffnen lässt», erklärt der ideenreiche und erfinderische Unternehmer.

In der Handbuchbinderei werden vor allem Jahrgänge von Fachzeitschrif-ten gebunden und vielfältige Reparaturen an Büchern ausgeführt. In den Arbeitsabläufen Binden, Deckelmachen bis hin zur Titelprägung steckt viel Handarbeit. Fingerspitzengefühl, Geduld und eine kreative Ader sind dementsprechend die wichtigsten Voraussetzungen, um ein fachgerechtes Produkt zu produzieren. «Zu unseren Kunden gehören vor allem Bibliotheken der Universität Bern, aber auch Rechtsabteilungen von Bundesämtern und Verwaltungen. Im Weiteren binden wir für Gemeindeverwaltungen und Grundbuchämter», so Hollenstein. «Private Kunden bedienen wir mit einfachsten Buchbindearbeiten bis hin zu Spezialanfertigungen wie Diplomarbeiten, Hochzeitsalben, Beiträge von Gästen, gebunden als Buch zum Fest, sowie Schachteln, Mappen und Goldprägungen.» Firmen wünschen vermehrt für ein Jubiläum oder den Abschied eines Mitarbeiters gestalterische Beiträge der Mitarbeiter in einem repräsentativen Buch gebunden.

Besondere Rosinen im Buchbinder­alltag sind für Linus und Jonas ­Hollenstein Liebhaberarbeiten. Hier können sie ihrem Handwerk frönen: «Für Bücherliebhaber, die in eine bestimmte Richtung alles sammeln, was sie antiquarisch bekommen können, müssen wir oft schönste Leder- und Pergamentbände im alten Stil herstellen und Einbände auffrischen.» Ein aktueller Auftrag sei beispielsweise ein Faksimile einer Eidesmappe fürs Bundeshaus.

«Die Liebe zum Buch bleibt.»

Die Digitalisierung, die das Ausrüsten und Binden immer mehr wegrationalisiert, spürt die Buchbinderei Hollenstein bedingt. So habe bei den Aufträgen eine Verschiebung stattgefunden, «die entstandenen Lücken konnten wir bis jetzt immer wieder füllen», freut sich Hollenstein Senior. Die Veränderungen hin zum Onlinelesen betreffen vor allem wissenschaftliche und medizinische Zeitschriften. «Auch Juristen arbeiten vermehrt am Bildschrim. Es bleibt aber die Liebe zum Buch. Gerade bei Juristen stärkt ein Büchergestell mit Gesetzessammlungen den Berufsstolz», betont der Patron.

Corinne Remund

CENTRO DEL BEL LIBRO

Ein altes Kunsthandwerk

Das Buchbinden ist ein altes Kunsthandwerk, das im ursprünglichen Sinne nur noch von einigen wenigen Buchbindereien in der Schweiz gehegt und gepflegt wird. Dazu gehört unter anderen auch die Buchbinderei Hollenstein im bernischen Grafenried. Gefördert und bewahrt wird diese alte Handwerkskunst vom Centro del bel libro Ascona, der führenden Weiterbildungsschule rund um das Thema Papier, Bucheinband und Gestaltung. Hier setzen sich Handbuchbinder, Grafiker und Restauratoren mit dem traditionellen Buch sowie dem Medium Papier auseinander. Kreative Ideen werden ausgelebt und es entstehen Kunstwerke im Bereich Bucheinband und Gestaltung. An Wettbewerben realisieren Buchbinderinnen, Buchbinder und Buchgestalter aus aller Welt innovative Bucheinbände und verleihen so der Entwicklung der Branche neue Impulse. Träger der international bekannten und anerkannten Fachschule ist der Verein Centro del bel libro Ascona.

DAS KURZE INTERVIEW

«Die Bedürfnisse der Kunden spüren»

Schweizerische Gewerbezeitung: Die Buchbinderei Hollenstein pflegt noch das alte Handwerk des Buchbindens. Was ist das Erfolgsrezept Ihrer Firma?

  Linus Hollenstein: Ein Markenzeichen unseres Familienbetriebes sind unsere Dienstleistungen, die über den üblichen Service wie Qualität oder das Einhalten von Lieferfristen und Termine hinausgehen. Wir stecken viel Herzblut in unsere Arbeit wie auch in unsere Kundenbeziehungen. Dazu gehört auch, dass wir die Bedürfnisse unserer Kunden spüren und mit unserer kreativen Erfahrung und unseren Ideen bei ihnen eine positive Überraschung auslösen.

Was sind die grössten Herausforderungen bei der Führung dieses KMU?

  Gegenüber unseren Mitbewerbern zu bestehen und eine gute Qualität zu einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis bieten zu können.

Was macht einen guten Geschäftsmann aus?

  Man sollte sich mit seinem Beruf identifizieren können, mit dem Herzen dabei sein und eine gewisse Begabung und Empathie für den Job haben.

Was liegt Ihnen in diesem Betrieb am meisten am Herzen?

  Dass alles so weiterläuft wie bisher und unser Auftragsbestand erhalten bleibt. Zudem möchten wir vermarkt­bare Ideen erfolgreich umsetzen.

Interview: Corinne Remund