Publiziert am: 24.01.2014

Wir alle machen die Wirtschaft aus

«Ach, die alte Leier…!», mögen Sie vielleicht denken. Es ist aber eine Tatsache: Die Industrie der Schweiz steht unter Druck, ich sage es besorgt – Leier hin oder her. Nicht nur die Kunststoffindustrie, auch die exportierende Maschinenindustrie sieht sich mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Verhältnismässig neu und fast ein bisschen auf leisen Sohlen droht neues Ungemach. Es sei denn, wir trotzen proaktiv dem Zeitgeist.

Die Gleichung ist einfach

Starker Schweizer Franken, hohe Löhne, sich ständig verschärfende politische Rahmenbedingungen, drohende Erhöhung der Energiekosten aufgrund der Energiewende, der Kampf um die besten Köpfe und ein sich verschärfender Fachkräftemangel – auch aufgrund der Überalterung unserer Gesellschaft in der Schweiz – sind Realitäten. Das soll nicht als Gejammer daherkommen. 
Es sind einfach sachliche Feststellungen, was unsere Industrie an Knacknüssen zu bewältigen hat. Umso stolzer können wir darauf sein, dass wir immer noch zu den innovations­fähigsten Ländern der Welt gehören.

Demgegenüber steht die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP schon irgendwie unglücklich in der internationalen Wettbewerbslandschaft. Das unkomplizierte Rekrutieren von Fachkräften bedeutet heute ja einen unbestrittenen Vorteil für unsere Wirtschaft. Und entgegen allen Unkenrufen: WIR, die Bevölkerung, wir alle sind die Wirtschaft, und die Wirtschaft, das sind wir alle!

Der Graben, der in diesem Zusammenhang künstlich und wohl mehr aus Polit-Marketing- denn aus sachlichen Gründen herbeigeredet wird, ist meines Erachtens fatal. Ohne die Wirtschaft keine Arbeit. Ohne Arbeit kein Wohlstand. So einfach wäre die Gleichung im Grunde. Nur wird sie oft schlechtgeredet.

Neuer Zeitgeist kommt

H inzu kommt, dass der Ruf nach mehr globaler Unternehmensverantwortung heute dem Zeitgeist entspricht. Das haben unsere verantwortungsbewussten Unternehmen erkannt. Oft äussern sich die Linken und Grünen allerdings so, als agierten Schweizer Unternehmer ohne soziales und ökologisches Gewissen – und darum müsse man dieser Schweizer Wirtschaft mehr auf die Finger schauen und vorsorglich neue Gesetze erlassen. In diesem Zusammenhang ist fast unbemerkt ein Druck entstanden, der vielen noch gar nicht umfassend bewusst sein dürfte.

Seit der durch gewisse NGO unterstützten und beworbenen Petition «Recht ohne Grenzen» ist etwas am Entstehen, das wir nicht unterschätzen sollten. Die Forderungen einfach als linke Romantik abzutun, wäre gefährlich und könnte uns rascher einholen, als uns lieb wäre: Die Erklärung von Bern will durchsetzen, dass Schweizer Firmen im Ausland, die sich aus ihrer Sicht unkorrekt verhalten punkto Menschenrechte, Ökologie oder Korruptionsprobleme, rechtlich sanktioniert und massgeregelt werden könnten, indem direkt ihr Mutterhaus in der Schweiz verklagt würde. Sie verkennen das Spannungsfeld zwischen den lokalen Gesetzen im Ausland und der Legitimität des Handelns aus ihrer oft zwar idealistischen, aber auch unrealistischen NGO-Sicht.

Imagesteigerung möglich

V orausschauende Unternehmen stellen sich dieser Herausforderung proaktiv. Viele verhalten sich vorbildlich und unterziehen sich freiwillig Prinzipien anerkannter internationaler Organisationen, welche Standards und Handlungsoptionen punkto Unternehmensverantwortung formulieren. Im Kampf gegen Korruption, Kinder­arbeit, Umweltschädigungen und Menschenrechtsverletzungen schreiten sie aktiv voran und warten nicht darauf, von Nichtregierungsorganisationen öffentlich kritisiert zu werden und so Imageverlust zu riskieren. Der UN Global Compact und seine 10 Prinzipien ist dabei nur ein Beispiel, wie sich die Wirtschaft den neuen Herausforderungen stellen und dabei Schützenhilfe für ihr Engagement erhalten kann. Zu glauben, die Thematik müsse nur global agierende Firmen interessieren, ist falsch. Denn in einer langen Wertschöpfungskette können auch KMU in der Schweiz Reputationsschaden erleiden, ohne dafür direkt verantwortlich zu sein. Dieses komplexe Thema dürfte uns künftig vermehrt beschäftigen.

*Doris Fiala ist Präsidentin des Kunststoffverbands Swiss Plastics.

Die Tribüne-Autoren geben ihre eigene Meinung wieder; diese muss sich nicht mit jener des sgv decken.

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